Ratgeber für Betriebe in Österreich
Barrierefreiheitsgesetz: was es für Websites und Onlineshops in Österreich bedeutet
Von der Offrano-Redaktion · · 4 Min. Lesezeit
Mit dem Barrierefreiheitsgesetz hat Österreich die europäischen Anforderungen an barrierefreie Produkte und Dienstleistungen umgesetzt. Für viele Onlineshops, Banken und Anbieter digitaler Dienste heißt das: Angebote an Verbraucher müssen für Menschen mit Behinderungen nutzbar sein. Dieser Artikel erklärt Ziel und Geltungsbereich, zeigt, was barrierefrei in der Praxis bedeutet, und worauf Sie bei einer Webagentur achten. Ob Ihr Angebot erfasst ist, klären Sie im Zweifel rechtlich.
✓ Bestätigen
Fast geschafft: Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse.
Wir haben Ihnen eine E-Mail an {email} geschickt. Erst nach dem Klick auf den Link darin geben wir Ihre Anfrage an Betriebe frei.
Ziel und Inkrafttreten
Ziel des Barrierefreiheitsgesetzes ist es, durch verpflichtende Barrierefreiheitsanforderungen für bestimmte Produkte und Dienstleistungen zur Harmonisierung des Binnenmarkts beizutragen und Menschen mit Behinderungen eine selbstbestimmte Lebensführung zu erleichtern. Das Gesetz gilt seit dem 28. Juni 2025.
Quelle: ogd.ris.bka.gv.at
Welche Produkte und Dienstleistungen erfasst sind
Erfasst sind bestimmte Produkte, die nach dem 28. Juni 2025 in Verkehr gebracht werden, etwa Computer und Betriebssysteme für Verbraucher, Zahlungsterminals und bestimmte Selbstbedienungsterminals, Endgeräte für Kommunikations- und Mediendienste sowie E-Book-Lesegeräte. Bei den Dienstleistungen gehören unter anderem elektronische Kommunikationsdienste, Elemente von Personenbeförderungsdiensten, Bankdienstleistungen für Verbraucher, E-Books und Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr dazu. Für Onlineshops ist vor allem der elektronische Geschäftsverkehr maßgeblich.
Quelle: ogd.ris.bka.gv.at
Was barrierefrei in der Praxis heißt
- Bedienung mit Tastatur, ohne Maus
- ausreichende Kontraste und anpassbare Schriftgrößen
- Alternativtexte für Bilder und Grafiken
- verständliche Formulare mit Fehlermeldungen, die Screenreader vorlesen
- ein Bestellvorgang, der bis zur Bezahlung barrierefrei ist
- Informationen zur Barrierefreiheit des Angebots
Kleinstunternehmen
Die europäische Richtlinie sieht für Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, Erleichterungen vor, und das Gesetz setzt das um. Ob Ihr Unternehmen darunter fällt, hängt von Mitarbeiterzahl und Umsatz beziehungsweise Bilanzsumme ab. Klären Sie das im Einzelfall; wer wächst, sollte Barrierefreiheit ohnehin von Anfang an mitdenken.
Was eine Agentur leisten sollte
Eine Agentur, die Shops für Verbraucher baut, plant Barrierefreiheit in Gestaltung, Technik und Inhalten ein. Fragen Sie nach den angewandten Richtlinien, nach Tests mit assistiven Technologien, nach einem Prüfbericht und nach einer Schulung der Redaktion. Einblendungen, die eine Seite per Knopfdruck angeblich barrierefrei machen, ersetzen keine barrierefreie Umsetzung.
Prüfen, bevor umgebaut wird
Bei bestehenden Shops steht am Anfang eine Bestandsaufnahme: Welche Seiten und Funktionen sind betroffen, wo liegen die größten Barrieren, lässt sich das System anpassen oder ist ein Relaunch sinnvoller? Eine Prüfung ausgewählter Seiten, darunter der Bestellvorgang, gibt eine erste Einschätzung und macht Kostenvoranschläge vergleichbar.
Barrierefreiheit und österreichische Informationspflichten
Unabhängig von Barrierefreiheit gelten für Websites in Österreich eigene Informationspflichten, etwa nach dem E-Commerce-Gesetz, der Gewerbeordnung und die Offenlegung nach dem Mediengesetz. Eine Agentur setzt diese Angaben technisch um; was inhaltlich erforderlich ist, klären Sie rechtlich. Musterangaben aus Deutschland passen nicht ungeprüft.
Typische Fehler
- Nur die Startseite prüfen, nicht den Bestellvorgang.
- Bilder ohne Alternativtexte einpflegen.
- Bezahldienste einbinden, deren Schritte nicht barrierefrei sind.
- Barrierefreiheit einmalig prüfen und dann nicht mehr pflegen.
- Auf ein Overlay-Plugin vertrauen.
Ein Beispiel
Ein Wiener Händler für Haushaltswaren lässt seinen Shop prüfen. Die Agentur findet fehlende Alternativtexte, einen Warenkorb, der sich nicht mit der Tastatur bedienen lässt, und Fehlermeldungen nur in roter Farbe. Sie priorisiert den Bestellvorgang, baut die Vorlagen um und schult die Redaktion. Danach wird mit einem Screenreader getestet und eine Erklärung zur Barrierefreiheit veröffentlicht.
Inhalte, nicht nur Technik
Barrierefreiheit hängt nicht allein von Programmierung und Design ab. Wer Produkte einpflegt, schreibt Alternativtexte, strukturiert Beschreibungen mit Überschriften und stellt Dokumente wie Datenblätter oder Anleitungen zugänglich bereit. Ein barrierefreies Shopsystem kann durch unzugängliche Inhalte wieder Barrieren bekommen. Deshalb gehört eine Schulung der Redaktion zu jedem ernsthaften Projekt.
Zahlung, Versand und Drittanbieter
Viele Barrieren stecken in eingebundenen Diensten: Bezahlschnittstellen, Cookie-Banner, Chatfenster, Versandrechner. Diese Teile stammen oft von Drittanbietern. Fragen Sie Ihre Agentur, welche eingebundenen Dienste geprüft wurden und welche Alternativen es gibt, wenn ein Dienst nicht barrierefrei ist. Der Bestellvorgang ist nur so zugänglich wie sein schwächster Schritt.
Barrierefreiheit und Auffindbarkeit
Vieles, was die Barrierefreiheit verbessert, hilft auch Suchmaschinen: saubere Überschriften, beschreibende Linktexte, Alternativtexte und schnelle Seiten. Das ist kein Grund für Barrierefreiheit, aber ein willkommener Nebeneffekt. Agenturen, die beides zusammen planen, vermeiden doppelte Arbeit.
Pflege nach dem Start
Jede neue Funktion, jede Kampagnenseite und jedes Update des Shopsystems kann neue Barrieren bringen. Vereinbaren Sie mit der Agentur regelmäßige Prüfungen und einen Weg, auf dem Kundinnen und Kunden Barrieren melden können. Eine Kontaktmöglichkeit für Rückmeldungen zur Barrierefreiheit ist ohnehin Teil guter Praxis.
Kosten realistisch einschätzen
Was die barrierefreie Umsetzung kostet, hängt stark vom Ausgangspunkt ab. Ein moderner Shop mit sauberem Vorlagensystem lässt sich oft mit überschaubarem Aufwand anpassen, ein älteres System mit vielen Sonderlösungen kaum. Bitten Sie die Agentur, Prüfung, Umbau und laufende Pflege getrennt anzubieten. So sehen Sie, wofür Sie zahlen, und können Angebote verschiedener Betriebe vergleichen.
Anfrage über Offrano
Über Offrano geht Ihre Anfrage für einen barrierefreien Shop, einen Relaunch oder eine Prüfung an genau eine Agentur aus Ihrer Region. Nennen Sie Shopsystem, Umfang und ob Sie an Verbraucher verkaufen.